Zelt-Berater

 

Die Anforderung an die Ausrüstung ist hoch, da man sich in jeder Situation darauf verlassen können muss! Aufgrund meiner Erfahrung im Grenz-und Expeditionsbereich stelle ich Euch die passende Ausrüstung zusammen und gebe Euch ein Überblick über die Materialien und was man wofür nutzt.

 

Grundausrüstung

 

Wie bereits erwähnt, müsst Ihr Euch in jeder Situation auf Eure Ausrüstung verlassen können. Sie muss leicht sein (denn was nützt Euch das stabilste Equipment, wenn Ihr es alles in allem nachher nicht tragen könnt?), klein verpackbar (Ihr könnt nicht Tonnen an Zeug mit Euch herumschleppen), robust (denn es gibt keinen Ersatz), schnell trocknend und und und.

 

Kurz: Rüstet Euch für das Härteste und nehm dazu das Beste, dann gibt’s am wenigsten Enttäuschungen (was das kleinere Übel wäre).

 

Jetzt kommen wir zu den einzelnen Dingen die Ihr braucht.

 

Zelt

Das Zelt, Eure Behausung für unterwegs, die Euch schützt, wenn’s drauf ankommt. Es ist Euer Rückzugspunkt und Eure Sicherheitsreserve wenn Ihr draußen seid, es bietet Schutz gegen das Wetter, gegen die Kälte und gegen Insekten. Viele verschiedene Modelle sind auf dem Markt, je nach Einsatzzweck und Einsatzgebiet. Hier empfehle ich auch wieder Zelte

aus dem Highend-Bereich. Sie sind ständig in der Praxis getestet und daraufhin verbessert worden. ALDI und Co. sind billig, aber das ist auch das einzig Positive daran, bitte vergesst auch das!!! Billig im Preis, aber auch in allem anderen. Nichts worauf man sich verlassen kann. Ihr müsst bedenken, wir reden hier nicht von einem Strandurlaub auf Mallorca, sondern über die Endzeit! Stürme, Hagel, Schnee oder auch Dürre, was auch immer. Mit einem top Zelt seid ihr bei jedem Wetter (außer Ihr erwischt einen Tornado in Eurem Lagergebiet) bestens aufgehoben.

 

Die einzelnen Typen und Ihre Vor- und Nachteile:

 

Kuppelzelte

Der wohl bekannteste Zelttyp auf dem Markt, auch Iglu-Zelt genannt. Zwei Gestängebögen überkreuzen sich einmal über dem Zeltmittelpunkt und ergeben eine Halbkugel. Die Gestängeführung befindet sich meistens am Innenzelt und wird zuerst aufgebaut. Danach befestigt man darüber das Außenzelt. Es gibt allerdings auch Modelle bei denen man zuerst das Außenzelt aufbaut und das Innenzelt darin einhängt. Der Vorteil dabei ist, dass bei schlechtem Wetter das Innenzelt beim Aufbau trocken bleibt.

Vorteile Kuppelzelt

Gute Raumausnutzung, sie stehen selbstständig (keine Abspannung erforderlich) und das ist von Vorteil in steinigem Gelände oder dort, wo man die Heringe schlecht fixieren kann oder wenig Platz hat.

Nachteile Kuppelzelt

Oft kleine Apsis (Vorzelt) und schlechte Raumausnutzung wegen der teilweise flach ansteigenden Seitenwände.

 

Geodäten

Das Expeditionszelt für infernale Wetter! Klassische Hochgebirgszelte. In Basislagern hoher berge siehst Du diese Zelte fast ausschließlich. Die erste Wahl wenn’s ums Extreme geht. Ich selbst benutzte diese Zeltform Bspw. TNF Mountain 24/25 oder Mountain Hardwear Trango 2, als ich im Winter in Skandinavien oder auch in Patagonien auf dem Inlandeis unterwegs war. Wobei sich herausstellte, dass gute Tunnelzelte schneller im Aufbau sind und daher meine aktuelle Wahl auf Wintertouren (nicht im Hochgebirge) sind. Im Grunde ist ein Geodät ein Kuppelzelt, bei dem sich die Gestängebögen mehrmals überkreuzen. Die Außenfläche des Zeltes wird so in kleinere Flächen unterteilt, so dass sich die Wind- und Eigenstabilität deutlich erhöht. Zu dem steht es ebenso wie das Kuppelzelt frei ohne Abspannpunkte.

 

Der Nachteil eines solchen Sturmbunkers liegt natürlich im Gewicht, da mehr Gestängebögen dabei sind. Auch sind Geodäten oftmals teurer als die gewöhnlichen Kuppelzelte. Die Raumausnutzung ist hier ebenso wie bei den Kuppelzelten aus gleichem Grunde weniger ideal. Der Aufbau ist etwas langwieriger und in der Regel muss das Innenzelt vor dem Außenzelt aufgebaut werden, was bei schlechtem Wetter nachteilig ist. Auch bei großer Kälte ist es besser wenn das Zelt möglichst schnell aufgebaut ist. Wenn Du planst länger an einem Ort zu sein und von diesem „Basislager“ aus Touren zu machen, fällt dieser Nachteil mit der Aufbauzeit weniger ins Gewicht. Auch wenn Du zu zweit oder zu dritt unterwegs bist, geht es schneller und einfacher. Es gibt diese Zelte mit kleiner und großer Apsis, ein oder zwei Eingängen. Ich empfehle eine große Apsis zur Gepäckaufbewahrung und zum Kochen bei schlechtem Wetter, mit zwei Eingängen.

 

Röhrengeflechtzelte

Eine Abwandlung des Geodäten, bei dem die Kreisform in die Länge gestreckt wird. Durch diese Verzerrung ergeben sich Unterschiede in der Stabilität, z.B. gegenüber Wind aus unterschiedlichen Richtungen. Vorteile dieser Zelte sind wie auch beim Geodäten zu sehen, plus eine bessere Raumausnutzung durch die Verzerrung. Ebenso sind die Nachteile mit denen des gewöhnlichen Geodäten gleichzusetzen. Die Stabilität ist hier abhängig von der Aufbaurichtung.

 

Tunnelzelte

Das Tunnelzelt wird von mindestens zwei bis drei Gestängebögen, die zum Boden aufgespannt parallel zueinander stehen, gehalten. Diese Zelte müssen längs und quer abgespannt werden, um Wind und Wetter trotzen zu können. Der Vorteil dieser Zelte liegt eindeutig in der perfekten Raumausnutzung im Verhältnis zum Gewicht. Sie sind relativ leicht und bieten viel Platz. Außerdem sind sie schnell aufzubauen, da Innen- und Außenzelt meist miteinander verbunden sind. Oft haben diese Zelte eine sehr große Apsis, ideal zum Kochen oder fürs Gepäck. Ein gutes Winterzelt (bspw. das Patagonia 3 von Helsport) hat zusätzliche Gestänge und Schneelappen rund um das Zelt herum. Diese Schneelappen kann man mit Schnee beschweren und sichern das Zelt zusätzlich. Falls kein Schnee zur Verfügung steht, tun es auch schwere Steine (bitte keine scharfkantigen Steine verwenden;)). Im Winter lege ich mir das Zelt zusammengerollt in einen großen Sack eingepackt auf die Pulka. Die Verbindungsstücke der Gestänge verklebe ich mit Panzertape und lasse sie in den Gestängebögen stecken. Beim Lageraufbau steht so das Zelt auch bei widrigstem Wetter innerhalb weniger Minuten. Gerade bei extremer Kälte ist Zeit ein entscheidender Wettbewerbsvorteil! Der Nachteil liegt allerdings ebenso auf der Hand: Sie stehen nicht frei und man muss sie abspannen. Außerdem sollten sie mit der schmalen Seite zum Wind stehen, um eine gute Windstabilität zu gewährleisten.

 

Einpersonenzelte

Minimalstes Gewicht und Packmaß, allerdings wie der Name schon sagt, nur für eine Person. Es gibt hier Unterschiede in Form und Einsatzzweck, als minimalistische Notunterkunft oder komfortableres Zelt mit genügend Platz für das Gepäck. Ebenso gibt es natürlich auch Unterschiede im Preis. Das Zelt der Wahl für Solisten die schnell unterwegs sein wollen und auf wenig Gewicht setzten.

 

Familien- oder Gruppenzelte

Natürlich sind diese Zelte die erste Wahl, wenn es darum geht Gruppen unterzubringen. Ich empfehle bei Gruppen mehrere kleine Zelte, da man flexibler ist und die Zelte auch handlicher zu transportieren sind. Großzelte sind auf längere Standzeiten und viel Komfort ausgelegt, mit einer Vielzahl an Ausstattungsmerkmalen, wie Klarsichtfenster, jede Menge Taschen uvm. (Schnickschnack also, für unsere Zwecke). Positiv ist jedoch, dass diese Zelte oft so hoch sind, dass man darin stehen kann und man es deshalb bei anhaltenden Schlechtwetterperioden länger darin aushalten kann. Durch mehrere aushängbare

Schlafkabinen lässt sich der Innenraum variabel gestalten.

Nachteile dieser Zelte sind der Transport, das hohe Gewicht (oft 13 kg und mehr), die Auffälligkeit und die große Fläche, die zum Aufstellen benötigt wird. Ungeeignet für den Transport im Rucksack, selbst wenn man Gewicht und Anzahl der Personen in Relation stellt. Nichts für extreme Wetter, bitte erst gar nicht daran denken!!!

 

Mischformen

Alle Zelttypen, die sich bei den genannten nicht zuordnen lassen, nennt man Mischformen und diese sind meistens für spezielle Einsätze gebaut. Daneben gibt es noch Einbogen-, Pyramiden- und Firstzelte, die uns hier aber weniger interessieren.

 

 

Einsatzbereiche


Sommereinsatz

Diese Zelte bestehen aus relativ leichten Stoffen, da sie nicht für winterliche Bedingungen (starke Winde, Schneelast) ausgelegt sein müssen. Hier stehen gute Belüftungsmöglichkeiten (Außenzelt sollte möglichst nicht ganz bis zum Boden reichen), ausreichend Platz zur Unterbringung von Gepäck sowie Schutz vor Mücken und anderen Insekten (Moskitonetze) im Vordergrund.


Dreijahreszeiteneinsatz
Diese Zelte sind für den Einsatz von Frühjahr bis Herbst gemacht. Sie bieten einerseits wie Sommerzelte Schutz vor Insekten, sind allerdings stabiler, so dass sie auch bei starkem Regen oder Wind Schutz bieten.


Wintereinsatz
Diese Zelttypen müssen den widrigsten Bedingungen trotzen können und werden oft in Extrem-Gebieten oder bei Expeditionen genutzt. Ein Winterzelt sollte eine Reihe von Merkmalen aufweisen, um seiner Aufgabe gerecht zu werden. Mängel an Material oder Funktionalität werden bei extremen Bedingungen gnadenlos und oft mit fatalen Folgen bestraft. Winterzelte sollten aus den besten Materialien bestehen um den widrigsten Bedingungen trotzen zu können. Wer hier spart, der spart am falschen Ende und auf Kosten seiner Gesundheit (und die brauchen wir!). Es sollte möglichst freistehend oder mit wenigen Heringen aufstellbar sein. Der Aufbau sollte auch mit Handschuhen schnell und einfach möglich sein. Um Ausrüstung und die extrem voluminöse Winterausrüstung unterzubringen, sollte es möglichst viel Volumen bei kleiner Stellfläche haben, der gesteigerte Platzbedarf verglichen zu Sommertouren ist hierbei zu berücksichtigen. Ich nehme auf Solotouren stets ein 2 Personenzelt mit wenn ich im Winter unterwegs bin s.o.. Für 2 Personen empfehle ich ein 3 Personenzelt. Den Transport bewerkstelligt man
ohnehin meist mit einer Pulka (Zugschlitten). Um den Einfall von Schnee zu verhindern, sollte das Außenzelt möglichst weit heruntergezogen sein oder Snowflaps (Schneelappen s.o.) besitzen. Da im Winter häufig im Zelt gekocht werden muss, ist eine ausreichende Belüftung im Zelt und der Apsis Pflicht. Gerade im Winter kann Kondenswasser im Zelt zu großen Problemen führen, da die Ausrüstung nass oder klamm wird und somit (gerade der Schlafsack) seine Isolierfähigkeit verliert.


Einwand- oder Doppelwandzelt
Der Unterschied zwischen den gewöhnlichen Doppelwandzelten (fast alle Zelttypen) und den Einwandzelten ist folgender: Doppelwandzelte bestehen aus einem wasserdichten Außenzelt, darunter befindet sich ein wasserdurchlässiges aber weniger atmungsaktives Innenzelt. Diese Konstruktion bewirkt, dass Wasserdampf (Atmung, kochen) aus dem Innenzelt schnell entweicht und entweder über ein Lüftungssystem nach außen abgegeben wird oder an der Innenseite des Außenzeltes kondensiert. Da beide Bestandteile nur wenig Kontaktflächen besitzen, läuft das Wasser an dem wasserdichten Außenzelt nach unten auf den Boden und wird so abtransportiert. Bei Einwandzelten funktioniert das anders, da das Zelt nur aus einem wasserdichten Außenzelt besteht. Aus diesem Grund wurden Einwandzelte früher nur in kalten Regionen eingesetzt, bei denen der entstandene Niederschlag an der Innenseite in Form von Schnee aus dem Zelt gefegt werden kann. Heute allerdings bestehen Einwandzelte aus atmungsaktivem Material das wasserdicht ist, jedoch Wasserdampf durchlässt (vgl. Goretex,
Event) Durch diese Materialveränderung können Einwandzelte eigentlich bei fast jeder Witterung eingesetzt werden, mit nur wenigen Abstrichen am Komfort (feuchte Innenwände). Im Hochsommer würde ich jedoch trotzdem nicht gerne mit solch einem Zelt unterwegs sein. Oder tragt Ihr Eure Goretex-Jacke auch bei 30°C im Schatten?
Das große Plus der Einwandzelte liegt im wesentlich geringerem Gewicht, da nur eine Hülle und damit weniger Material nötig ist. Daneben ist das Windgeräusch geringer, da weniger Stoff im Wind flattern kann, was den Komfort wiederum etwas erhöht. Auch die Aufstellzeit ist bei Einwandzelten kürzer, was ein zusätzliches Plus, gerade in Extremsituationen, bedeutet.


Tarps
Tarps sind Planen aus hochwertigen und leichten Außenzeltmaterialien und sehr vielseitig einsetzbar. Sie dienen unter anderem als Regen-, Wind- oder Sonneschutz, sind jedoch kein vollwertiger Zeltersatz. Daneben kann man sie gut als zentraler Lagertreffpunkt oder als Notunterkunft eines Minimalisten (mit Biwaksack) verwenden. Tarps sind in aller Regel mit genügend Ösen als Befestigungsmöglichkeit zum Abspannen ausgestattet. Auch gibt es Tarpstangen, falls die Natur keine Befestigungsmöglichkeiten wie Bäume oder ähnliches bietet. Tarpstangen sind jedoch oftmals nicht im Lieferumfang enthalten sind.


Gestängetypen
Man unterscheidet zwischen Fiberglas (lasst bloß die Finger davon), Stahl und diversen Aluminumgestängen.


Fiberglas, auch als Epoxydharz bekannt, ist die günstige, um nicht zu sagen die Billigvariante und stellt unter keinen Umständen eine Alternative dar. Wenn es hart auf hart kommt, oft auch schon früher, brechen diese Stangen und das traute Heim ist hinüber. Das kann böse enden, wenn Ihr gerade in einem Sturm festsitzt oder die Schneelast Euch zu erdrücken droht. Die Verbindungshülsen dieser Stangen liegen außen und erschweren das Einfädeln durch die Gestängehalterung am Zelt.


Stahl ist zwar sehr stabil, aber benachteiligt durch das hohe Gewicht, was sich niemand im Rucksack zumuten wird. Allerdings unschlagbar bei Großraum- und Gruppenzelten, die länger an einem Platz stehen.


Aluminium, das bevorzugte Material. Auch hier gibt es große Unterschiede, zum einen in der Dicke bzw. im Gestängedurchmesser, zum anderen in der Materialqualität. Die Verbindungshülsen liegen innen und sorgen damit für eine glatte Oberfläche. Zudem sind Alu-Gestänge leichte, steifer und stabiler als Fiberglas-Stangen. Bei kleinen Bögen sind
die Stangensegmente teilweise gebogen, um ein Brechen zu verhindern.


Zu den verschiedenen Arten der Aluminiumgestänge
Die Nummerierung 7075 bezeichnet die Art der Legierung, diese ist relevant für die Festigkeit und die Steifigkeit, und T9 steht für die Art der Wärmebehandlung, diese ist relevant für die Elastizität. Die Skala reicht von T1 bis T10. In Korea gefertigte Gestänge (7001 T6) sind, wie die Gestänge europäischer Hersteller (7075 T6), von guter Qualität, die für viele Einsatzbereiche ausreichend ist. Sehr hoch im Kurs steht Easton Alloy 7075 T9 und Featherlite 7001 T6. Während Easton sich durch das verwendete Material auszeichnet, bietet Featherlite hülsenlose Übergänge zwischen den Segmenten. Hochwertigere Gestänge
sind durch Oberflächenbehandlung (Eloxierung, Lackierung) gegen Witterungseinflüsse und vor Korrosion geschützt. Durch die glattere Oberfläche gleiten sie besser in die Gestängekanäle und bei Kälte bleiben die Finger nicht daran haften.


Heringe
Standartmäßig sind alle Zelte mit entsprechender Anzahl von Universal-Heringen ausgestattet. Je nach Einsatzbereich oder Zielgebiet ist es sinnvoll, sich entsprechende Heringe zusätzlich anzuschaffen. Ist man in eher steinig/felsigem Gebiet unterwegs, sollte man stabile Heringe mit V-Profil, Y-Profil oder in Nagelform verwenden. Sie versprechen hohe Stabilität und halten wenig böse Überraschungen bei harten Böden bereit. Ist man eher in Gebieten mit weicheren Wald- und Wiesenböden unterwegs, genügen oftmals die Standartheringe, die auch in V-Form, T-Form usw. angeboten werden. Titanium wird häufig
verwendet. Das Gewicht variiert stark je nach Material. So ist Titanium leichter als Stahl oder Aluminium. Im Winter oder in Wüstengebieten mit sandigem Boden benötigt man breitere und längere Heringe, was sich im Gewicht und Platz bemerkbar macht. Hierfür sollte man Aluminium oder Stahl wählen. Die Länge variiert in der Regel zwischen 23 und 55cm. Oftmals wird die U-Form favorisiert. Genauso gut kann man auch kleine Säckchen mit Sand oder Schnee befüllen und vergraben. Dies spart Gewicht und Platz. Auf Wintertouren bringt man Reepschnüre an den Heringsschlaufen an. Man vergrößert sie somit, um Ski oder Schneeschuhe als Heringe verwenden zu können. Auch kann man Steigeisen eingraben und Pickel oder Packbeutel als
Anker benutzen. Ist man auf dem Eis unterwegs, sind Eisschrauben ein sinnvolles Mittel. Oft steht das Zelt jedoch auch mit minimaler Anzahl an Heringen stabil, was Gewicht spart. Bei schlechterem Wetter kann man sich mit Steinen oder ähnlichem behelfen. In Patagonien auf dem Weg zum Inlandeis fixierten wir unsere Geodäten nur mit Felsbrocken indem wir die an
den Schlaufen angebrachten Reepschnüre um die Felsen zurrten. Diese Tricks, Tipps und praxiserprobten Möglichkeiten, wie man auch im Notfall souverän reagieren und improvisieren kann, lernt Ihr in unseren Wildnis- und Survivaltrainings.

Wassersäule
Die Wasserdichte wird mit dem Wert der Wassersäule angegeben. Man spannt 10 cm² Stoff unter einen Messzylinder und dieser wird mit Wasser gefüllt. Der Messwert, bei dem das Wasser anfängt, sich Tröpfchenweise durch das Material zu drücken, bezeichnet die Wassersäule.


Wichtiger ist jedoch die Langlebigkeit der Beschichtung und damit verbunden die Gewährleistung, dass das Material auch nach langem Gebrauch noch wasserdicht ist. Was will man mit einem Außenzelt mit guter Wassersäule, wenn sich die Beschichtung nach einigem Gebrauch auflöst. Die Verarbeitung spielt ebenso eine wichtige Rolle: Der beste Laborwert für das Gewebe hilft nichts, wenn das Wasser direkt durch die Nähte kommt. Ich empfehle eine zusätzliche Nachbearbeitung der Nähte mit z.B. Seam-Grip. In aller Regel besitzen die Zelte namhafter Hersteller eine Wassersäule von mindestens 5000 mm am Boden (10000 mm ist top) und das Außenzelt mindestens 3000 mm (5000mm ist top). Wichtig ist, dass das Zelt eine hochgezogene Bodenwanne besitzt und der Abstand zwischen Innen- und Außenzelt ausreichend ist.


Materialien und Beschichtungen


Baumwolle vergesst Ihr am besten gleich wieder! Aber nichts desto trotz!
Vorteil: Luftdurchlässig, nimmt Regenwasser auf, ohne dass es durchtropft (solange nichts von innen gegen das Material kommt), bei entsprechender Pflege langlebig, kann nachimprägniert werden, angenehmes Zeltklima. UV-stabil, d.h., wer seine Basis irgendwo im Süden aufschlägt und das Zelt länger unter starker Sonneneinstrahlung stehen lässt, ist mit Baumwolle im Vorteil. Und, im Baumwollzelt herrscht bei Hitze ein wesentlich angenehmeres Klima als in den beschichteten Kunststoffgenossen. Das klimatische Plus wiegt das etwas höhere Gewicht spielend auf.
Nachteil: Schwerer als Kunstfaserstoffe (125 bis 685 g/m2, im nassen Zustand deutlich schwerer), dehnt sich bei Nässe, trocknet langsam, kann verrotten und ist nicht so reißfest wie synthetische Gewebe. Im Wintereinsatz oder bei sonstigen härteren Beanspruchungen nicht zu empfehlen.


Polyamid (Nylon)
Vorteil: Sehr leicht (60 bis 70 g/ m2), sehr hohe Reiß- und Scheuerfestigkeit, verrottet nicht.
Nachteil: Das Material dehnt sich bei Nässe (Nachspannen erforderlich) und ist UVempfindlich. Ripstop-Nylon. Um die Reißfestigkeit zu erhöhen (dabei das Gewicht in etwa konstant zu halten) und die Nässedehnung zu minimieren, sind ca. alle 5 mm extra starke Schuss- und Kettfäden eingewebt (Rechenkästchenstruktur).


High Tenacity Ripstop-Nylon ist außen und innen silikonbeschichtet. Es ist fast so leicht wie Polyester und übertrifft die anderen Nylon-Qualitäten hinsichtlich der Reißfestigkeit und UVStabilität. Ich persönlich bevorzuge bei allen meiner Zelte Ripstop.


Polyester
Vorteil: Leicht (70-80 g/m2) bei hoher Reiß- und Scheuerfestigkeit. Hochwertige Qualitäten dehnen sich bei Nässe nicht, verrottet nicht, hohe UV-Beständigkeit.
Nachteil: Bei Wind lauter als andere Materialien (Flattergeräusche). Wobei das ja auch etwas abenteuerliches hat ;)


Membran-Laminate
Vorteil: Wasserdicht, winddicht und atmungsaktiv bei Einwandzelten, dadurch leicht und kurze Aufbauzeit. Kleine, absolute Spezialzelte, mit eingeschränktem Einsatzbereich!
Nachteil: Der Transport der Feuchtigkeit nach außen funktioniert beim Zelt nicht so reibungslos wie in Funktionsbekleidung, da der notwendige deutliche Temperaturunterschied fehlt.


Beschichtungen


Polyurethan (PU)
Hochwertige und flexible Beschichtung, die eine hohe Dichte erreicht und daher besonders für Zeltböden geeignet ist. Findet aufgrund der Möglichkeit der Nahtverklebung (siehe Nähte) häufig auch im Außenzeltbereich Verwendung. Bei Kälte bleibt diese Beschichtung weich und geschmeidig, schwächt jedoch das Trägermaterial und sollte deshalb nur dünn aufgetragen werden, wenn es als Außenmaterial zum Einsatz kommt. Des Weiteren lässt sich PU gut tapen.


Silikon (Si)
Sehr hochwertige, elastische und langlebige Beschichtung, erhöht im Gegensatz zu anderen Beschichtungsarten die Reißfestigkeit und UV-Stabilität des Materials. Da sich silikonisierte Gewebe nicht vertapen lassen, muss das Außenzelt besonders sorgfältig vernäht werden. Einige Hersteller verwenden hier quellende Fäden, die die Nahtlöcher bei Nässe dichtstopfen. Die Beschichtung selbst ermöglicht ein sehr gutes Abperlen des Wassers, ist jedoch bei hohem punktuellem Druck überfordert. Daher werden bei Zeltböden immer PU beschichtete Gewebe verwendet. Vorrangig, wenn es um hochwertige Ausrüstung geht!


Vinyl (PVC)
Preiswerte Beschichtung, kann bei Kälte brechen, ist relativ schwer. Sowohl in der Herstellung als auch in der Entsorgung nicht umweltverträglich. Gar nicht gut, hört Ihr!


Acryl (PAC)
Häufig bei Zelten der untersten Preisklassen verarbeitet, löst sich relativ schnell vom Gewebe und bricht bei Temperaturen unter dem Gefrierpunkt. Also, Finger davon lassen!

 

Verarbeitung
Ob das Zelt von hoher Qualität ist, hängt neben dem Material ganz wesentlich von der Verarbeitung ab. Was nützt uns das beste Material, wenn es stümperhaft verarbeitet wurde. Besonderes Augenmerk ist deshalb auf die Nähte eines Zeltes zu legen! Unter extremen Bedingungen wie Sturm oder große Schneelasten muss die Verbindung des Materials stimmen und wirklich stabil sein. Stellt Euch vor, Ihr liegt im Zelt, ein Schneesturm zieht auf und mitten in der Nacht lösen sich die Nähte. Das wäre nun wirklich eine Notsituation, die böse enden kann.


Wegen der verschiedensten Szenarien in Sachen Notfall sollte man fähig sein, auf unvorhergesehene Situationen entsprechend reagieren zu können. Jahrelange Praxis oder entsprechende Kurse, wie z. B. das Wildnis- und Survivaltraining von uns, befähigen zu angemessenem Handeln in jeder Situation. Das ist eine Art Lebensversicherung für Draußen. Stabile und empfehlenswerte Nahtverbindungen sind die Doppelsteppstich-Kappnaht, bei der beide Säume ineinander verhakt und durch zwei parallele Nähte verbunden sind. Durch diesen Nahtaufbau sind vier Gewebeschichten durch die Naht miteinander verbunden und dadurch wirklich stabil. Ebenfalls zu beachten ist die langsame Nähgeschwindigkeit, da bei hoher Geschwindigkeit die Nadel heiß wird und das synthetische Material zu schmelzen beginnt. Dies führt an diesen Stellen zu Undichtigkeiten. Durch das dadurch vergrößerte Einstichloch kann Wasser über den Faden eindringen und an der Innenseite des Außenzeltes hinunterlaufen. Manche Hersteller verwenden einen Polyesterfaden mit Baumwollmantel. Der Polyesterkern sorgt für die nötige Festigkeit und der Mantel aus Baumwolle dichtet das Einstichloch ab, da Baumwolle bei Nässe aufquillt. Der Hersteller MacPack nutzte früher diese Eigenschaft bei der Herstellung von Rucksäcken und erhielt somit Rucksäcke, die wasserdicht waren, da das Außenmaterial bei Regen aufquoll. Da selbst diese Nähte nicht völlig dicht sind, verklebt man die Nähte von PU-beschichteten Geweben zusätzlich mit einem speziellen Tape und versiegelt sie somit. Die Kreuzungspunkte dieser Versieglungen sollten trotz allem zusätzlich mit Nahtdichter (z.B.Seamgrip) behandelt werden, da diese die Schwachstellen der Verbindungen darstellen. Silikonisierte Gewebe lassen sich produktionsbedingt nicht mit Tape behandeln und müssen mit Nahtdichter behandelt werden, egal wie teuer das Zelt auch ist!


Footprint
Ein Footprint ist eine Zeltunterlage, die den Zeltboden vor mechanischen Beschädigungen schützt. Ich persönlich bin immer ohne unterwegs. Zum einen sind die Zeltböden stabil und strapazierfähig und zum anderen stellt kein vernünftiger Mensch sein Zelt in einer Dornenhecke oder auf scharfkantigem Felsen auf. Bisher hatte ich immer ein passendes Plätzchen gefunden!
Die Vorteile eines Footprints liegen auf der Hand. Er schützt den Zeltboden gegen Beschädigung. Der Nachteil ist das Gewicht und der verlorengehende Stauraum im Rucksack. Zwar sind Footprints nicht sonderlich schwer und voluminös, aber was man an Gewicht sparen kann, sollte man sparen. Vielleicht ist das wieder eine Tagesration mehr an Nahrung! Eine Rolle Faserklebeband (Panzerband) hat man sowieso immer dabei und kann damit zur Not den Boden ausreichend flicken. Ich persönlich benutze nie einen Footprint.

Praktische Infos in Sachen Zelt und noch mehr zum Thema Outdoor gibt es bei unserem Wildnistraining!
Überlasse nichts dem Zufall, lerne von Profis in Sachen Outdoor und Survival, denn: gut geplant ist halb gewonnen!


Wir freuen uns auf Dich!